Verlieben

Schauspielsolo über das Verlieben zwischen Darsteller und Publikum

Regie: Maria Isabel Hagen
Dramaturgie: Lisa-Marie Radtke
Bühne und Kostüm: Maria Pfeiffer
Produktion: Annemarie Schorcht, Julia Opitz
Assistenz: Thomas Kraft
Fotos: Sebastian Autenrieth

Der Liebe wird etwas Unberechenbares, Zufälliges, sogar Magisches zugeschrieben.

Man begehrt plötzlich „wo die Liebe hinfällt“ und scheint sie nicht erzwingen zu können. Dieses starke Gefühl springt häufig als Funke von der Bühne ins Publikum über. Bei Auftritten der Beatles fielen Frauen reihenweise in Ohnmacht, Teenager der 1990er wollten sich mit Kurt Cobain gleichsam in den Tod begeben und heute schmachten sowohl Männer als auch Frauen Angelina Jolie oder Patrick Dempsey als „Sexiest Woman/Man Alive“ an.

Was aber muss der Liebhabertypus auf der Bühne eigentlich tun oder wie muss er sein, damit man sich in ihn verliebt? In einem Theaterstück mag es der Handlungsverlauf vorsehen, dass die Figuren einander verfallen – wie aber verliebt man sich als Zuschauer*In in den Protagonisten?

In dem unheimlichen, weil berechnenden Versuch, dieser Magie auf die Schliche zu kommen, behaupten wir, dass es nur der richtigen Strategie bedarf, um gezielt eine bestimmte Empfindung hervorzurufen.

„Im Laufe dieses Abends werden Sie sich in mich verlieben.“

In dem Schauspielsolo "Verlieben" begibt sich Gunnar Seidel anhand seiner Theaterbiographie und fiktiven Elementen in den Spagat zwischen der Berechenbarkeit der Liebe und dem widersprüchlichen Wunsch nach größtmöglicher Authentizität.

Zwischen der Rolle des Liebhabers, der Person Gunnar Seidel und den Erlebnissen und Geschichten als Mensch vor, auf und hinter der Bühne ist Verlieben immer wieder das Angebot, sich dem Spiel hinzugeben und sich bis über beide Ohren in Gunnar Seidel zu verlieben.

In ihrer Masterarbeit am renommierten Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen untersuchte die Regisseurin Maria Isabel Hagen bereits, wie das Weinen performativ erzeugt werden kann. Mit ihrer neuen Arbeit Verlieben setzt sie ihre Reihe von Dekonstruktionen fort, die nach Weinen und Verlieben ebenfalls das Lachen fokussieren soll.

Neben der performativen Untersuchung von Bühnenmitteln hinterfragt die Produktion zudem zwei auffällige in den Medien vermittelte Erscheinungen: erstens die Sehnsucht nach einem permanenten Verliebtsein und zweitens das Rollenmodell des modernen Mannes. Wie sich diese medial präsenten Themen auf reale Menschen auswirken, steht dabei als Frage im Vordergrund.

Der Mann auf der Bühne zieht alle Register und bringt das Publikum dabei mühelos zum Schmunzeln und zum Lachen. Birgit Nüchterlein, Nürnberger Nachrichten

Eine Koproduktion mit der Tafelhalle Nürnberg. Gefördert von der Kunst- und Kulturstiftung der Nürnberger Nachrichten, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Kulturamt Kassel.