the curiosity of brain

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„The Curiosity of Brain“ ist eine fantasievolle Hirnforschung, eine Mischung aus Physical Theatre und Animationsfilm. Das Brachland-Ensemble begibt sich mit diesem Projekt basierend auf wissenschaftlichen Ergebnissen aus der Neurologie, auf die Reise ins Innere des Gehirns des Protagonisten.

Handlung

Der Mensch denkt. Manche sagen, zu viel. Brian sieht das naturgemäß anders, denn er sucht Antworten. Er sucht nach der einen Antwort. Getrieben vom Geschehen in der Welt - täglich übermittelt durch Zeitung, Fernsehen, Internet. Währenddessen irgendwo in seinem Stammhirn:  „Brain“ - eine Art Arbeiter zwischen den Synapsen - trifft auf einen undefinierbaren Impuls. Die Neugierde führt ihn auf eine Jagd in die unerforschten Regionen einer traumartigen und fremden Welt. Und während „Brain“ sich bis in die Tiefen des Unterbewusstseins vorwagt, hofft Brian inständig auf den dringend benötigten Geistesblitz.

Der Stückentwicklung liegt die Frage zugrunde, wie sich unser Gehirn angesichts der steigenden Informationsflut verhält? Warum entscheiden wir uns für etwas und wieso lassen wir so manche große Idee einfach fallen?

fotos der aufführung

 
 
 

the Never ending story

Brian sucht. Er sucht und sucht. Denn eines kleinen Gefühls ist er sich sicher: die Informationen dieser Welt müssen nur richtig ausgewertet werden, um etwas ändern zu können, selbst aktiv zu werden, um sich von jener Lethargie zu befreien, in der sich viele Frauen und Männer unserer Generation zu befinden scheinen: das Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer kommerzialisierten Welt, das Gefühl der Überforderung im Angesicht der vielen Informationen und der hunderten sich täglich ändernden Möglichkeiten.

Gunnar Seidel über die Arbeit mit Dominik Breuer

Ich kenne Dominik seit 2009, seitdem haben wir 7 oder 8 Projekte verwirklicht. Dominik ist ein energetischer Vulkan. Nach zwei Wochen Arbeit mit ihm brauche ich eigentlich immer zwei Tage, um mich wieder zu beruhigen. Seine Denkgeschwindigkeit ist enorm. Seine Gedanken, Erzählungen, Planungen oder Anekdoten von einer Detailgenauigkeit, die man fast nicht mehr aushalten kann. Dabei frage ich mich manchmal, wann er überhaupt die Zeit findet, all die Informationen aufzunehmen: egal welches politische Thema es auch sein mag, er ist bereits informiert. Er hat auch bereits Stellungnahmen bei Al-Jazeera gesehen, parallel Bild-Online gelesen und einen Artikel in der New York Times. Und wenn es das Thema erfordert – wie bei unserem Projekt „Ich sehe was was du nicht siehst“ - schaut er sich stundenang privates „Trash-TV“ an. Oder er steigt einfach selbst in den Flieger, um sich selbst ein Bild von der Welt zu verschaffen. Er hat so eine investigative Art. Ich denke, er hasst es, dass einem etwas vorgemacht wird, z.B. seitens der Medien. Und er sieht, wie sich viele Menschen manipulieren lassen und es nicht merken. Gleichzeitig sehe ich, dass er verzweifelt, weil er entweder versteht, dass er nichts tun kann oder weil er das Gefühl hat, er sei allein. Die Informationsflut überfordert ihn. Sich ihr entziehen, kann er aber auch nicht aus Angst davor, unwissend zu sein und selbst manipuliert zu werden. Der aufgeklärte Mensch muss sich schließlich erstmal aufklären (lassen). Dominik war also der optimale Ausgangspunkt für unser Stück.

Vergleich mit Computern

Oft werden Vergleiche zwischen der Leistungsfähigkeit eines Computers und der des menschlichen Gehirns angestellt. Seit das Gehirn als Sitz kognitiver Leistung erkannt wurde, wurde es in der Literatur immer mit dem komplexesten verfügbaren technischen Apparat verglichen (Dampfmaschine, Telegraph). So versuchte man auch, aus der Funktionsweise von Computern auf die des Gehirns zu schließen. Heute dagegen bemüht man sich in der Computational Neuroscience und der bionischen Neuroinformatik, die Funktionsweise des Gehirns teilweise auf Computern nachzubilden bzw. durch sie auf neue Ideen zur „intelligenten“ Informationsverarbeitung zu kommen. Es ergibt sich die Perspektive, dass das Gehirn als Struktur für Denk- und Wissensproduktion eine Architektur liefert, die sich zur Nachahmung empfiehlt. Künstliche neuronale Netzwerke haben sich bereits bei der Organisation künstlicher Intelligenzprozesse etabliert.

Physical Theatre und Videomapping

"The Curiosity of Brain" ist eine Kombination aus Schauspielsolo und Animationsfilm, es vereint Physical Theatre mit Videomapping. Die Videos werden von Animationsfilmer Felix Kramer (Kunsthochschule Kassel) gezeichnet. Auf der Bühne agiert der Schauspieler Dominik Breuer, der in den vergangenen Jahren vermehrt im  Physical Theatre und Tanztheater gearbeitet hat u.a. mit backsteinhaus produktion (Stuttgart) und am Theater Heidelberg mit Nanine Linning.

Die tägliche Verführung der Neugier

Die grandiose Inszenierung „The Curiosity of Brain“ vom Brachland-Ensemble im Kulturbahnhof VON GESA ESTERER (HNA Kassel)


KASSEL. Längst ist das globale Netz Bestandteil unseres Lebens, fasziniert, strengt an, überfordert. Täglich verführt uns die Neugier, ein Klick, ein Touch, noch mal und noch mal. Der Frage, wie sich unser Gehirn angesichts der rasant wachsenden Informationsflut verhält, geht die Inszenierung „The Curiosity of Brain“ nach, die das Brachland-Ensemble am Donnerstag in den Räumen des Offenen Kanals zeigte. Als "Physical Theatre“ stellt die avantgardistische Kasseler Künstlergruppe eigene Stücke mit Schauspiel und Videoinstallationen auf die Bühne.

Bekleidet mit einem silbergrauen, bis übers Gesicht eng anliegenden Ganzkörperanzug agiert Dominik Breuer inmitten von Pappkartons. Stumm hetzt er den auf die Bühne projizierten Informationen hinterher. Aufforderungen zum Klicken, zum Touch, hier, dort, schnell, unaufhaltsam, unerträglich, da gibt es Likes als schmeichelnde Anerkennung für die Taten wie bei Facebook. Eine  Geräuschkulisse kratzt an den Nerven. Manchmal verwandelt sich alles in Zebrastreifen, plötzlich steht ein riesiger Zauberwürfel in der Mitte, oder die Daten fluten die Zuschauer.

Der Schauspieler Dominik Breuer bietet eine hervorragende Leistung, eindringlich, dabei leicht, wie im Vorbeigehen. Zwischen den Szenen gibt es Videos von einem Professor Neunmalklug, der auf Englisch über das Gehirn referiert, manipulativ, schmierig. Das sieht aus wie ein Film aus den 50er- Jahren, dabei ist Dominik Breuer auch der Professor. Eine Frauenstimme übersetzt im Propagandaton des Dritten Reichs.

Die intelligente, durchdachte Inszenierung [...] mit tollen Videoinstallationen des Kasseler Studenten Felix Kramer macht das Stück zu einem kleinen, grandiosen Theaterereignis [...]