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Alle Aktivitäten zu den aktuellen Produktionen: internationale Recherchereisen, Videos und Fotos aus dem Arbeitsprozess, Infos zu Aufführungen, persönliche Eindrücke der Ensemblemitglieder

14.09.2017

Kamerun #1

14.09.2017

Reisetagebuch Maria Isabel Hagen: Kamerun #1

In Kamerun angekommen empfängt mich eine schwüle Hitze. Bei der Einreise muss ich einen ganzen Katalog von Dokumenten einreichen: Einladungsbrief, vorläufiges Visum, Fotokopien von meinem Pass und die Bescheinigung der Gelbfieber Impfung. Mein Gesicht wird fotografiert, jeder einzelne meiner über Finger gescannt und dann darf ich ganze zwei Stunden darauf warten, dass man mir meinen Pass gestempelt wiedergibt.
Beim Gang zur Toilette laufe ich durch ein Treppenhaus, in dem sich aus dem Untergeschoss bis in die obere Etage Papiere, teilweise gebündelt und zusammen gebunden, stapeln. Sie sehen meinen Unterlagen sehr ähnlich.
Die Toiletten haben keine Spülkästen und auch keine Riegel zum verschließen der Türen. Es riecht, als würde jemand den Boden mit Schweiss wischen.
Das Media Team, Renée und Kate, holen mich vom Flughafen ab und warten geduldig mit mir.
Auf der Fahrt zum Schiff begegnen uns auf der Autobahn Fußgänger und Autos, die auf unserer Fahrbahn in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind.
Die Mercy Ship liegt direkt im Hafen. Zu Fuß sind es nur ein paar Minuten in die Stadt oder zum nahe gelegenen Einkaufszentrum - allerdings wird dringend davon abgeraten, Strecken zu Fuß zurück zu legen, vor allem nicht allein, vor allem nicht im dunklen und VOR ALLEM nicht als Frau.
An Bord werde ich wie ein Crewmitglied empfangen: ich bekomme eine Karte, mit der ich mich selbstständig an- bzw. abmelden kann, habe meine eigene Kabine und werde jedem Crewmitglied, dem wir bei der anschließenden Führung begegnen, vorgestellt.
Das Schiff ist riesig. Es hat acht Etagen mit insgesamt sechs OP Sälen. An Land, direkt vor dem Schiff sind drei Zelte aufgebaut. Hier werden die Patienten vor untersucht, es werden Fotos gemacht und die Ärzte sprechen mit den Patienten und stellen sich vor.
In meiner Kabine, die ich alleine bewohne (8-Bettzimmer entsprechen eigentlich dem Standard), liegen Kekse auf meinem Kopfkissen, an der Tür hängt ein Willkommensgruß. Die Klimaanlage scheint seit Tagen eifrig bei der Sache zu sein, sie hat aus meinem Zimmer einen Eisschrank gemacht.
Meine Fenster sind zu geschraubt, erlauben aber einen malerischen Blick auf das Industriegebiet am gegenüberliegenden Ufer.
Beim Abendessen sitze ich mit einer größeren Gruppe von Deutschen zusammen. Sarah, leitet die Logistik auf dem Schiff, Steffi, Physiotherapeutin, Silke, Pflegerin in der Anästhesie, Laura, Kinderkrankenschwester, Hannah, arbeitet in der Putzkolonne. Es sind ausschließlich Frauen- insgesamt überwiegt der Frauenanteil auf dem Schiff. Auf mein nachfragen hin warum das so sei, wird mit den Schultern gezuckt. Z.B. der Beruf der Krankenschwester, und davon brauche es viele auf der Mercy Ship, sei eben einer, der überwiegend von Frauen ausgeführt werde.
Ich erfahre, dass, wer single ist, theoretisch unbegrenzt auf dem Schiff arbeiten kann. Wartet zu Hause der oder die PartnerIn, erlaubt die Organisation nur einen Aufenthalt von max. 3 Monaten, damit die Beziehung keinen Schaden nimmt. Auf meine Frage, ob zu Hause jemand wartet, schüttelt die Runde einvernehmlich den Kopf.
Eine Beziehung, bei der die andere Hälfte zu Hause sitzt, würde in dieser Situation wahrscheinlich sehr auf die Probe gestellt. Dafür finden sich immer wieder Paare auf der Mercy Ship.
Und das Zurückkommen, wenn man z.B. länger als drei Monate unterwegs war? Das sei nicht leicht. "Umgekehrter Kulturschock" nennt man das, wenn man zuerst von der Kultur eines fremden Landes geschockt sei und dann erst recht von der eigenen, nachdem man sich in das Fremde eingelebt hat und dann nach Hause zurück kommt. Das einzige, das dagegen helfe, sei wiederum auf das Schiff zurück zu kommen. "Viele Leute, die bei Mercy Ship angefangen haben, sind Wiederholungstäter", sagt Silke lächelnd, sie ist Pflegerin in der Anästhesie auf der Mercy Ship und seit einem Jahr auf dem Schiff.
Auf dem Schiff sei eben immer jemand da. Das Gefühl des Teamworks erfülle einen, alle arbeiten zusammen an einem großen Projekt, haben das gleiche Ziel. Ganz gleich, ob man einem Patienten Spritzen gibt, Kartoffeln für das Abendessen schält oder den Schiffsbug von Muscheln befreit. Darüber hinaus bestärke einen die Arbeit darin, etwas wirklich Sinnvolles zu tun.
Die Leute kommen freiwillig hierhin. Würde sich etwas ändern, wenn man anfangen würde, die Leute zu bezahlen? Sicher. Zumal sich die Gehälter unterscheiden würden: ein Arzt verdient in der Regel mehr als eine Putzkraft. Eine Bekannte von Silke meinte, dass, wenn keiner auf dem Schiff Geld bekäme, die 'Arschlochquote' sicher sehr niedrig sei. Dem stimmen alle in der Runde zu. Anders als oftmals zu Hause, greife hier auch nach einer 24h Schicht der leitende Oberarzt zum Mopp um gemeinsam mit dem Team den OP zu reinigen.
Zu Hause halten die Bekannten und Freunde einen für verrückt, wenn man monatelang umsonst auf dem Schiff arbeiten geht. Nur die christlichen Freunde haben Verständnis und unterstützen die VolontärInnen von zu Hause aus.
Bei den Nicht- Christen überwiege die Sorge um die Rente und Absicherung.

02.09.2017

demokratietour ... heute: Krefeld

Um 8 Uhr in den Zug, Nürnberg – Krefeld zum "Fest ohne Grenzen" mitten in der Innenstadt. An der Seite der Landeszentrale für politische Bildung NRW kommt heute im Rahmen der Demokratietour mal wieder unser "rotes Telefon" zum Einsatz. Heute Abend weiter nach Aachen. Montag endlich Probenbeginn nach über einjähriger Vorbereitung.

02.09.2017

Israel, Palästina, Indien ... Aachen, Krefeld

 

Die Vorbereitungen und Recherchereisen für unsere kommende Produktion "Revolution – Alles wird gut!" in Koproduktion mit dem Theater Aachen, der Tafelhalle Nürnberg und der Landeszentrale für politische Bildung NRW  laufen auf Hochtouren. Nach der Reise von Anika Pinter und Ali Can nach Israel und Palöstina sowie der Recherche von Dominik Breuer und Morgane de Toeuf in Neu Delhi, Indien, fliegt am 3. September Maria Isabel Hagen nach Kamerun zu Mercy Ships.

Parallel startet die Vorprobenwoche mit dem gesamten Team am Theater Aachen, wo am 10. Nov. die Uraufführung und Aufführungen in den Kammerspielen folgen, ehe wir im März die Nürnberger Premiere feiern.